Baja California oder die Sea of Cortez für Segler
Vorweg, ambitionierte Segler die flotte Fahrt und lange Strecken lieben werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Feriensegler und Naturliebhaber die Einsamkeit schätzen sind hingegen hier gut aufgehoben.
Wir gehören eindeutig zur ersten Kategorie.
Die Sea of Cortez muss man wie eine Expedition planen, denn unterwegs gib es nichts zu kaufen und organisieren. Es muss alles von La Paz aus mitgenommen werden, vor allem aber genügend Süsswasser.
Klima: Januar bis April mild, Temperaturen bis ca. 25°. Mai bis September sehr heiss bis 40°, ab September bis Januar wieder milder mit Tendenz zu mehr Regen und gelegentlichen Stürmen und Hurrikans.
Grundsätzlich aber immer sehr trocken, selten Regen.
Wassertemperatur: In den Wintermonaten nicht über 22°, das ist kalt und zum Baden nicht geeignet, zudem sind die Quallen eine lästige Plage. Unbedingt Schwimmanzug mitnehmen
Wind: Sehr unbeständig, nicht planbar, meist aus nördlicher Richtung, wenn Wind, dann meist sehr heftig bis 8 Bft. aus Norden, der sehr kalt und ungemütlich sein kann. Vor allen sind dann auch die Wellen sehr hoch. Ansonsten meist Flaute mit glatter öliger See. Da die Reiseroute süd-nord oder umgekehrt verläuft hat man den Wind entweder direkt auf der Nase oder im Genick, beides ist aus seglerischer Sicht unpraktisch.
Karten: Es gibt keine verlässlichen Seekarten, man navigiert nach Sicht
GPS: Da die Karten nicht stimmen nützt auch der GPS nichts. Gemäss Schiffsplotter fuhren wir oft über Land und ankerten auf Bergspitzen.
Schwell: Je nach Wetterlage werden zum Wind hin offene Buchten gerne rollig, ansonsten kaum Schwell.
Ankergrund: Von Sand bis kiesig steinig ist alles vorhanden, unbedingt genügend Kette geben da der lockere Kies bei Zug gerne nachgibt.
Wetterprognosen: Sind keine empfangbar da keine Radiostation weit genug reicht, zudem würde man eh nicht viel verstehen, wenn man die Sprache nicht kennt.
Kommunikation: Funk und Handy haben keinen Empfang, Radio nur beschränkt
Fischen: Vergessen Sie die Schleppleine, keiner beisst an, aber mit dem Dingi über den Riffen mit viel Blei die Leine setzen bringt Erfolg, so fischen die Einheimischen und sie ziehen Rochen mit bis zu 60 kg aus dem Wasser. Aber auch hier ist Geduld angesagt. Sonst ist kaufen bei den Fischern eine gute Alternative, billig und man hat erst noch Auswahl. Tipp; frische Shrimps bei den grossen Fischkuttern zu 100 Pesos das Kilo.
Landschaft: Natur pur, eher langweilig, hat man eine Insel gesehen hat man alle gesehen, es wiederholt sich.
Naturpärke: Alle Inseln der Sea of Cortez sind Naturschutzgebiete die eigentlich nicht betreten werden dürfen. Als Segler erhält man aber einen Cruising Permit der es einem erlaubt in den Buchten der Inseln zu ankern.

Meer: Die Sea of Cortez ist sehr planktonhaltig, im Wasser tummeln sich viele Quallen, von ganz winzig kleinen, von blossem Auge nicht sichtbaren, bis zu tellergrossen Monstern. Die See ist voll von Leben Walfische sind im Januar bis April oft anzutreffen, sehr viele Delfine und Rochen sowie allerlei andere Fische bevölkern das Wasser. Die Sicht unter Wasser ist nur etwa 5 - 10 m gut, danach wird es zu einer grünen Suppe.
Fauna: Tiere sind zwar vorhanden aber ständig in Deckung wegen der kreisenden, hungrigen Vögel, von diesen gibt es viele Arten. Die Pflanzenwelt ist sehr eintönig wüstenartig mit Gestrüpp, Kakteen und Steppengras. Der Boden besteht überall aus sehr lockerem Geröll, beim Wandern rutscht man gerne darauf aus
Loreto: Loreto wäre eine willkommene Halbzeit-Zwischenstation auf dem Törn. Aber leider kann man vor der Stadt nicht ankern und in der weitab gelegenen sicheren Bucht herrscht Kapitalismus pur. Man zahlt sich dämlich für einen Liegeplatz und muss erst noch einen völlig unsinnigen Papierkram bewältigen, obwohl man ja das Land nicht verlassen hat, also in Mexico einklariert ist. Wir haben diese Bucht weiträumig gemieden und Loreto nur einen Kurzbesuch abgestattet.
Verpflegung: In La Paz gibt es buchstäblich alles zu kaufen was man (Frau) braucht, es stehen 4 riesige Shoppingmalls und unzählige kleine Läden zur Verfügung, Am besten man nimmt ein Taxi, zu 50 Pesos Einheitstarif für die ganze Stadt, oder man mietet ein Auto bei den vielen Vermietungsgesellschaften und besorgt so den Einkauf. Man kann es auch bequemer haben indem man den ganzen Bedarf bei Moorings ordert und die ganze Ladung direkt aufs Schiff geliefert erhält. Kostet etwas mehr aber ist sehr bequem, besonders für Amerikaner. Siehe weiter unten.
Marina: Moorings unterhält als einzige Chartergesellschaft einen Stützpunkt in der Marina Palmira, sie ist ganz klar auf amerikanische Gäste ausgerichtet die ab Los Angeles oder San Diego in ca. 4 Stunden in der Marina sein können. Sie buchen eine Woche oder nur ein paar Tage, übernehmen das Schiff voll ausgerüstet inkl. Verpflegung und machen einen kurzen Törn, geben danach das Schiff wie angetroffen ab und fliegen wieder nach Hause.
Moorings macht hier einen sehr guten Job, sehr freundlich, zuvorkommend und kompetent.
Schiffe: Da Moorings alleine Schiffe vermietet hat man eine beschränkte aber dennoch sehr gute Auswahl. Da segeln mit gutem Wind eher selten ist, empfiehlt sich ein Katamaran. Für diese Region ist er bequemer und bietet mehr Platz. Nordwärts muss man eh motoren und südwärts kann man es mit einem Kat schön laufen lassen.
Fazit: Für Europäer lohnt sich die Reise in die Sea of Cortez kaum, der Weg ist zu weit um nur eine Woche zu segeln, 2 Wochen sind eindeutig zu lang, die Crew beginnt sich zu langweilen. Und La Paz hat man in 2 Tagen und Nächten auch erlebt und gesehen.
Tipp: Lernen Sie erst in La Paz spanisch und machen danach einen Törn, so profitieren Sie zweimal und die Reisekosten verteilen sich besser.
ZB. 2-3 Wochen Sprachkurs, 1 Woche segeln.
 
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