Segeltörn in den Seychellen 1. bis 16. März 2002

Wir sind wieder zurück mit vielen schönen und tollen Erinnerungen und neuen Eindrücken aber auch mit neuen Erfahrungen und viel aktuellem Wissen.

Dieser Bericht richtet sich vorallem an Segler die es auch versuchen möchten.

Klima/Wetter: Unser Wetter war stark abweichend vom langfristigen Trend, nur 2, 5 Regentage mit kurzen aber ergiebigen Niederschlägen. Sonst vorwiegend sonnig, mit teilweise lockerer Bewölkung. Tagestemperatur 32° nachts 26 - 28°, sehr hohe Luftfeuchtigkeit
Wind: Während den ganzen 2 Wochen nur gerade an 3 Tagen zum segeln geeigneter Wind, vorwiegend aus N - NW, 3 - 4 Bft. Bei schwachem Wind aus allen Himmelsrichtungen drehend.
See: Sehr oft spiegelglatt bis max. 1-2 Bft., aber mit starker Dünung und entsprechendem Schwell im Küstenbereich. Wassertemperatur an der Oberfläche bis 34°. An den kleinen Inseln sauber und glasklar, auf Mahé und Praslin leicht trüb, im Hafen Victoria sehr stark verschmutzt (Kloake)
Tide: Maximaler Hub 1.8 m, stellt aber keine Probleme dar. Ein Tidenkalender liegt im Schiff auf.
Schiff: Die Atoll 6 erwies sich als ein sehr komfortables Wohnschiff mit überdurchschnittlicher Ausstattung der Küche (Utensilien). Bequemen Kabinen und genügend Platz für alles. Sehr viel Stauraum mit einem veritablen Getränke- oder Vorratskeller. 2 grossen Kühlschränken, voluminösen Regalen und Geschirrschäften.
Die Skipperbedürfnisse wurden bei der Planung aber offensichtlich vergessen, kein Kartentisch oder Navigationsecke, nur eine kleine Box in der Küche ist für diesen Bereich reserviert, die Navigation macht man auf den Kühlschrankdeckeln. Der Steuermann sitzt auf der hintersten Ecke völlig ungedeckt allem Wetter ausgesetzt, mit sehr schlechter Sicht nach vorne.
Als Segelschiff, sofern man Wind hat, bleibt sie ein Kompromiss Sie ist eher ein Wohnschiff mit dem man zur Not auch segeln kann. Sie reagiert sehr träge auf Steuerung, Manöver brauchen Übung und Gewöhnung. Die Geschwindigkeit mit Motor beträgt schlappe 5,5 Knoten (bei 2200 U/min.). Das Log zeigt jedoch max. 4 kn. an. Der Treibstoffverbrauch ca. 5 lt. pro Stunde, ist entsprechend hoch. 1 lt. Diesel kostet 1 $ (5 SR) wir verbrauchten für die 270 gefahrenen Meilen 300 lt Diesel. Also pro Meile knapp 1 lt. Unter Segeln konnten wir sie leider nicht testen da wir max. 20 kn Wind hatten und dies auch nur sehr kurzzeitig.
Mängel:

Obwohl das Schiff relativ neu ist und offensichtlich wenig gebraucht wird, haben wir folgende Mängel festgestellt und gemeldet:

  1. Unterschiff, alles was unter Wasser liegt ist sehr stark mit einer ca. 1-2 cm dicken Muschel- und Algenschicht bewachsen.
  2. Die Log-Anzeige weisst gegenüber GPS und Kartenkontrolle eine Abweichung von
    ca. 30 - 100 % auf, bei Krängung fällt sie gänzlich aus.
  3. Lot, die Wassertiefe weicht von der Anzeige ca. 2,5 m ab (Handlog) dabei ist zu berücksichtigen, dass das Handlog ab Wasseroberfläche gemessen wird, das Schiffslog unter Kiel ist vermutlich mit einer Reserve bestückt. Bei Anzeige 0 bleibt somit immer noch ca. 100 cm Reserve.
  4. Kompassanzeigen (2) weichen gegenüber Autopilot und GPS mehr als die übliche Missweisung ab.
  5. Diverse Scharniere der Küchenkästen haben Materialermüdungschäden oder sind bereits defekt.
  6. Beim WC vorne rechts lässt sich der kleine Ventilhebel nicht schliessen.
  7. Beim Aussenborder für den Dingi ist die Gashebelwelle am vorletzten Tag gebrochen.
VPM Charter: Die Bedienung, Instruktion und allgemeine Betreuung war sehr herzlich und umfassend.
Top Service.
Die VPM Charterfirma wurde per 31. März 2002 von der deutschen Best-Sails übernommen. Die Leute sind etwas unsicher was in Zukunft auf sie zukommt.
In unserem Vertrag waren folgende Leistungen nicht aufgeführt aber dennoch geboten:
ABC Schnorchelausrüstung
Transfer vom Flughafen und zurück
Eis und Wasser
Hand- und Badetücher
Endreinigung
1 Garnitur Bettwäsche pro Woche
Geld/Währung: Auf den Seychellen floriert der Schwarzmarkt betreffend Geld, pro Dollar werden bis zu 10 SR geboten offizieller Bankkurs SR 5.34.
Euros sind ebenso gern gesehen und oft zum selben Kurs gehandelt.
Unbedingt alles benötigte Geld in Euro oder Dollar mitnehmen und nur soviel wechseln wie gerade benötigt wird. Wechsler trifft man überall, auch in den Läden wird zum besseren Kurs unter der Hand gewechselt. Selbst die Mitarbeiter der VPM wechseln zu 8 SR per $, natürlich alles unter der Hand, versteckt und ohne Beleg. Achtung in Touristenhotels, Nationalparks und staatlichen Stellen werden von Touristen nur Fremdwährungen akzeptiert. Die eigene Währung ist offensichtlich wertlos. Kreditkaten sind nur für den Notfall geeignet, da schlechter Wechselkurs und nur SR an Automaten beziehbar. Auf den Banken erhält man unter keinen Umständen Fremdwährungen gegen Kreditkarten.
Taxis: Überall bieten Taxis ihre Dienste an, meist zum Einheitstarif von SR 50. Unbedingt Preis vor Abfahrt aushandeln, nachher ist es zu spät. Bei Hin- und Rückfahrt erst bei der Rückfahrt bezahlen, so kommt der Fahrer bestimmt wieder. Autostopp ist die andere, billigere Lösung oft auf der Fahrzeugpritsche eines Pickups. Fahrzeuge kann man überall einfach anhalten und nach der Mitnahme fragen, mühelos an Kreuzungen oder einfach auf die Fahrbahn stehen und zum Halten nötigen, funktioniert einwandfrei (Linksverkehr beachten). Touristen in Mietautos halten aber nie.... N.B. nur in Hotels mietbar.
Staatliche Abzocke: Seit 1. März 2002 haben die Seychellen eine neue einträgliche Geldquelle per Gesetz erschlossen. Sämtliche, gut geschützten Buchten oder schöne Ankerplätze wurden als Nationalpark deklariert und somit kann man Eintritt oder Liegegebühren verlangen. 10 €/$ pro Schiff und Person. Dies Betrifft folgende Plätze: St. Anne Marine National Park vor Victoria, Port Launay (Mahé), Ile Curieuse, Ile Cousin (20 €/$), Silhouette ist nur mit Sonderbewilligung betretbar (kann von VPM innert 2 Tagen organisiert werden). Ankert man nur über Nacht ab 17.00 bis 09.00 Uhr ist nur für das Schiff zu bezahlen. Unbedingt eine Quittung verlangen oft wird kassiert ohne Beleg.
Private Inseln: Viele besonders schöne Inseln wurden zudem vom Staat an Private verkauft und sind somit nicht mehr betretbar selbst vor Anker liegen wird verweigert. dies betrifft folgende Inseln:
Ile Cousine, Frégate, Ile Denis, Marianne, Grand-Seur (Landung 20€/$ pro Person man wird an Bord abgeholt), Félicité, Aride (Anmeldung per Funk erforderlich, keine Ankerplätze), Ile du Nord (zur Zeit wird eine Hotelanlage gebaut und ist ab 2003 nicht mehr zugänglich).
Wenn das so weiter geht, sind die Seychellen für Charterer nicht mehr interessant. Letztendlich bleiben nur noch Mahé, Praslin und La Digue mit Liegegebühren zugänglich.
Tipps: Der Segelführer Pilote Cotier ist überaltert und nicht mehr aktuell. Im Führer auf dem Schiff sind die Änderungen per Hand eingetragen und werden beim Briefing behandelt.
Auf La Digue gibt es jetzt einen gut geschützten Hafen, (La Passe) der Hafenmeister ist sehr abweisend und unfreundlich, erst nach unterschieben einer 10 $ Note wird er zum "Best Friend". Man liegt sehr ruhig mit Heckleine und Buganker. Schöne und gute Ankerbuchten sind auf La Digue im Süden bis jetzt noch gratis.
In der Bay St. Anne auf Praslin kann man gratis Wasser tanken, dort wird zur Zeit die ganze Bucht ausgebaggert und aufgeschüttet für neue Hafenanlagen. Segler liegen bis jetzt noch gratis und ruhig auf einer ausgebaggerten grossen Fläche mit ca. 5 m Wassertiefe hinter dem Jetty mit problemloser Einfahrt.
Zum Wassertanken beim Hafenmeister melden, er gibt dann freundlich Uhrzeit und Platz bekannt. VPM hat dort einen eigenen Schlauch mit Wasseruhr. Am Jetty herrscht viel Verkehr, zur vollen Stunde legen alle Fähren an und ab, zudem sind kleine Frachter ständig am löschen. Auffüllzeit für 1400 Liter, ca. 1 Stunde.
Nachtsegeln: Ist vertraglich verboten, auf den Inseln gibt es weder Feuer noch gute Orientierungspunkte in der Nacht und diese ist nach 19.00 Uhr stockdunkel, mit wunderschönem klaren Sternenhimmel. Nur die Seefahrtstrasse für Grosschiffe ist befeuert.
Nachtleben: Nach 19.00 Uhr ist auf den Seychellen "tote Hose" selbst Victoria ist nachts ausgestorben. Einzig in Hotels kann man an der Bar noch etwas kriegen. Da aber keine Stege vorhanden sind kann man nur per Dingi landen, was garantiert nie trocken geht.
Einkauf: Das Einkaufen ist aufwändig, in Victoria gibt es keinen einzelnen Supermarkt der alles hat, es muss in verschiedenen Geschäften zusammen gesucht werden. Das Angebot ist teilweise beschränkt. Zudem muss die ganze Ware per Taxi zum Schiff befördert werden. Der Pickup von VPM steht nicht zur Verfügung (keine Regel ohne Ausnahme). Eis gibt es von VPM in einer grossen Kühlbox gratis. Einkaufen kann man aber überall in den grösseren Buchten auf Mahé und Praslin, dort, wo auf der Karte eine Kirche eingezeichnet ist, ist unweit davon auch ein kleiner Supemarkt. Aber die Ware muss per Dingi über die Brandung zum Schiff gebracht werden. Man wird bestimmt nass. Getränke gibt es nicht in Dosen, nur in Harassen mit Glasgebinden und Depot. Das Schiff hat aber genügend Stauraum für ca. 20 Harassen. Melita Filtertüten gibt es auf den Seychellen nirgends zu kaufen, wenn man also Filterkaffee will, von zu Hause aus mitnehmen. Die Lebensmittel kommen aus der ganzen Welt. z.B. Eier aus Holland, Hähnchen aus Dänemark, Früchte aus Südafrika usw. die Preise sind entsprechend hoch und liegen über dem europäischen Mittel. Extrem teuer sind Spirituosen und Tabakwaren, z.B,. 1 Flasche Gin ca. 80 €, 1 Paket Zigaretten ca. 12 €, Importbier Bier in Dosen 4 €, usw.
Spirituosen unbedingt im Dutyfree Shop im Flughafen einkaufen und soviel wie erlaubt mitnehmen. Wir wurden bei Ankunft am Zoll nicht kontrolliert. Lebensmittel auf die man nicht verzichten will sollten bis zum Gepäckgewichtslimit mitgenommen werden.
Fischen: Wir hatten kein Anglerglück, ein grosser Brocken hat die Angelschnur gleich abgebissen, ein Dorade haben wir aber dennoch gefangen und verzehrt. Einfacher ist es Fischer auf See herbeizurufen und frische Ware direkt bei ihnen zu kaufen, sehr billig und ausgiebig z.B: 8 grössere Fische für 150 SR

Unterwasser: Die Gewässer sind voll von schönen bunten Fischen, Seeschildkröten usw. Die Korallenriffe sind aber wie im ganzen indischen Ozean abgestorben und nur noch weisser Kalk. Einzelne Stöcke erholen sich wieder, dies braucht aber sicher 20 Jahre bis es wieder bunt wird unter Wasser. Es gibt trotzdem sehr schöne Schnorchelplätze. z.B. Ile de Coco, Ile St. Pierre, usw.
Flossen und Brillen sind auf dem Schiff, resp. können beim Material-Depot bezogen werden.
Ankerplätze: Da zur Zeit die See sehr ruhig ist und kaum Wind bläst sind eigentlich alle möglichen Ankerplätze rund um die Inseln als Tagesankerplätze sicher. Über Nacht ist Vorsicht geboten es könnte ja doch noch Wind aufkommen oder ein Gewitter hereinbrechen. Die bestgeschützten Buchten sind jetzt zahlungspflichtig, auf den Freien ankert man mit erheblichem Schwell was "rollige" Nächte und ein kleines Risiko bedeutet.
Ausreise: Bei der Ausreise sind 40 $ oder 50 € fällig diese könnnen nur in Devisen bezahlt werden, notfalls per Kreditkarte.